Die Seele der „Linken“

Linke-Präambel und wie der neue Sozialismus die Welt sieht

Teil 1 (v. 2)
Es ist Mitte August 2017, auf den Straßen und den Laternen der
Wahlkreise unseres Landes sind die Wahlkampf-Plakate der Parteien zur Bundestagswahl 2017 über Nacht erschienen, sie sind wie Kraut nach einem warmen Regen blitzartig empor geschossen, oder wie Rost im schwülen politischen Altweibersommer.
Die Plakate der „eigenen“ Parteien beschämen uns manchmal,
die der anderen verärgern uns
meistens.

Wie bei fast jeder Wahl haben wir den Eindruck, so schlimm sei es noch nie gewesen, wir empfinden die Plakate als platt, als populistisch – als politisch nichtssagend beziehungsweise als vielsagend was die Qualität  unserer Parteien betrifft.

Ein trauriges Bündnis aller politischen Parteien – bei der die „kleineren“ oft durch unfreiwillige Komik auffallen.

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Wenn die Wahlkampfplakate so wenig sagen, die TV-Runden an das Balzen im Tierreich erinnern und die Leitartikel im „sowohl als auch“ verharren, wo informiert man sich über den Status der Parteien in Deutschland?
I
n einem Moment selbstquälerischer Verwegenheit, habe ich mir – von der Webseite der „Linken“ die Präambel zum Parteiprogramm angeschaut.

(Beschluss des Parteitags der Partei DIE LINKE
vom 21./22./23. Oktober 2011 in Erfurt,
bestätigt im Mitgliederentscheid vom 17. Nov. bis 15. Dez. 2011 mit 95,81 Prozent)

*
Warum die Präambel und nicht das Parteiprogramm?
Während Wahlkampfprogramme ein Schnappschuss des Spannungsfeldes sind, zwischen momentaner Tagespolitik und interner Machtverteilung innerhalb der Flügel und Gruppen einer Partei, wollen die eigentlichen Parteiprogramme längerfristig angelegte innerparteiliche Konsens-Papiere sein.
Eine Präambel aber, atmet den eigentlichen Geist einer Partei. Sie zeigt die psychologische Verfasstheit der Führung und ist doch nah am Herzschlag ihrer Mitglieder.

Also werfen wir einen Blick auf den Text. Es geht um:

Teil 1
– „als sozialistiche Partei“ eine „Alternative“
– die „bessere Zukunft“
– wer sind „Alle“?
– „Sein“ und „Werden“ – oder das Ende von Entwicklung

(im folgenden ist der Orginaltext der LINKEN immer kursiv und  in  “ > “ gefasst.)

* * *

> DIE LINKE als sozialistische Partei steht für Alternativen,

Da ist also einmal die Selbstbeschreibung als „sozialistisch“ – wobei geklärt werden müsste auf welchen „Sozialismus“ sich das bezieht, zum anderen aber der Anspruch „anders“ zu sein, eben „alternativ“.

Das mag harmlos klingen, kann aber heißen, in Friedenszeiten für Krieg zu sein und in Zeiten hoher Beschäftigung, sich für Arbeitslosigkeit stark zu machen.
Das Wort „alternativ“ bezieht sich immer auf einen Gegenpol, ist eine Relation, wird also bestimmt von etwas „anderem“.
Das ist –  nicht erst seit die Grünen („Alternative Liste“) ihre Unschuld verlor und die AfD uns die Schattenseiten des Wortes vor Augen führten  –  ein Risiko.
„Alternativ sein“ heißt immer auch abhängig sein von dem wozu man „alternativ“ ist.
Wozu also will die Linke alternative sein?
Zur bestehenden Marktwirtschaft in all ihren, teilweise auch von Leuten wie Sarah Wagenknecht gelobten,  Formen – oder zu den verschiedenen Versuchen eines staatlich gelenkten Wirtschaftens?

> für eine bessere Zukunft.

Das unterscheidet die Partei „Die Linke“ natürlich von allen anderen, möchte man spotten, von den anderen Parteien, die sind ja alle für eine „schlechtere Zukunft“ einsetzen.
So scheint zumindest „Die Linke“ zu meinen.
Ob man solche Floskeln für leeres Parteigeplapper hält, oder als Indiz für schlichte Denke nimmt, bleibt jedem selbst überlassen.

> Wir, demokratische Sozialistinnen und Sozialisten,
> demokratische Linke mit unterschiedlichen politischen Biografien,

Ist „ unterschiedlichen … Biografien“ eine vorsichtige Umschreibung von „die Reste der radikalen RAF im Westen und die SED-Betonköppe im Osten?
Ist das ein unbewusster Brückenschlag zu den eigenen Sünden der Vergangenheit?
Nein, natürlich will man sagen, die Parteimitglieder kämen aus allen Schichten –
was aber sicher für die CDU und die SPD viel mehr gilt.

> … weltanschaulichen und religiösen Einflüssen, Frauen
> und Männer, Alte und Junge, Alteingesessene und
> Eingewanderte, Menschen mit und ohne Behinderungen,

Offenbar will man alle (Wähler) erwischen – das kann man verstehen.
Man bildet Gegensatzpaare (Männer/Frauen, Alte/Junge).
Aber warum fehlen „Arbeitende / Nicht-Arbeitende,
Arme/Reiche, Dicke/Dünne?
Wenn man sicher sein will „alle“ zu erreichen, warum führt man sie dann nicht direkt alle Wahlberechtigten namentlich auf? Mit Papier geizt man doch auch sonst nicht.

Vielleicht ist es aber wichtiger, sich die Reihenfolge der Gruppen genauer zu widmen.
Da kommen die „Frauen“ vor den Männern, die „Alten“ vor den „Jungen“ und die „Alteingesessenen“ (welche lustige Umschreibung um bei Zuwanderern nicht in sprachliche („Gastarbeiter“) Not zu kommen) vor den „Eingewanderten“.

>haben uns in einer neuen linken Partei zusammengeschlossen.

Dieses „neue Linke“ – das sollte man besser beweisen als nur behaupten, zumal wenn man ja vorher die Verbindung zur Vergangenheit so freizügig offen gelegt hat.

Eine der Schicksalsfragen der Partei „Die Linke“ ist, wie ehrlich dieses „Neue“ bei der Linken gemeint ist, wie man das unter Beibehaltung „linker Traditionen“ und mit jeder Menge „altem Personal“ schaffen will.
Unselige Traditionen und undurchsichtige Seilschaften machen nicht nur der Bundeswehr zu schaffen, oder den Westparteien nach 45,
nein das gilt auch für eine Partei die oft noch so sehr nah an der SED zu sein scheint.

> Wir halten an dem Menschheitstraum fest, dass eine
> bessere Welt möglich ist.

Liebe Freunde von der PdL,
1. diesen Traum haben alle die im politischen agieren, sogar die Stockkonservativen.
2. an etwas „festhalten“ ist das Gegenteil von „progressiv“ von „neu“
3. das eigentliche Problem ist, dass es eben nicht nur „eine“ sogenannte „bessere Welt“ gibt, sondern so viele Welten, wie es Menschen gibt – nur für jeden ist „bessere Welt“ was anderes und viele dieser „besseren Welten“ schließen sich gegenseitig aus.

> Wir sind und werden …

Obacht – jetzt kommt der „Kern der Partei“ denkt man, tatsächlich offenbart sich aber schon in diesen vier Worten ein Hauptproblem der Partei.
Wenn „sein“ und „werden“ gleich sind – ist das die Absage an jede Entwicklung.

Wer meint, schon zu sein, was werden zu wollen er vorgibt, der will sich nicht ändern.
Warum sollte er?

Im Teil 2 folgt:

– Unterwerfung – Unterscheidung
– Konkrete Ziele
– Wirtschafts- und Gesellschaftssystem
– macht Wirtschaft glücklich
– Unterschied zwischen „Werte“ und „Ziele“

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