Meine liebe blöde SPD

Man darf nach der NRW-Wahl-2017 zu dem Schluss kommen, der Wähler habe eine politische Führungsperson – hier Frau Kraft –  abgestraft. Darf man.
Sowas muss man denken können – und offenbar auch ertragen lernen.
Wie man dann beweisen will, zu wieviel Prozent  eine Person – zu wieviel Prozent eine Führungsmannschaft und zu wieviel Prozent ein politisches Programm abgewählt wurde, das sei dahin gestellt.
Wenn ein amtierender Landesfürst (egal ab Land oder Bund) in freier demokratischer Wahl abgeschossen wird, und sich entschliesst erstmal von allem Abstand zu nehmen – das wird jeder  verstehen können, der sich selbst vom Wählervotum schon einmal ungerecht behandelt fühlte. Das kann und muß man akzeptieren.

Frau Löhrmann, „güne“ Ministerin unter „roter“ Kraft, knapp sieben Jahre mit in der Regierung in NRW, stellvertretende Ministerpräsidentin,  hat bei ihren Ausstieg in seltener Offenheit gesagt, sie wolle überlegen was für sie gut ist, und (an zweiter Stelle) was für die „Grünen“ gut sei. Auch Politiker sind Menschen – und Menschen brauchen Zeit um Niederlagen (und Schmähungen) zu verarbeiten.
Bei einer Partei, die sagt „ich bin erstmal raus“ muss man genauer hinschauen.

Man darf zu der Auffassung gelangen, eine weitere Groko würde die Parteisubstanz gefährden. Oder die eigene Glaubwürdigkeit nach einem vollmundigen Wahlkampf.
Oder überlegen, wie raffiniert es taktisch sei, einen Armin Laschet mit hauchdünner  Parlamentsmehrheit  im NRW-Parlament wursteln zu lassen.
(Allerdings hat Frau Kraft  vorgeführt,  wie man sogar nur mit „Duldung“ (DieLinke) – eine Weile  regieren kann)

Was man als zweitgrößte Partei nicht machen darf – das ist sich beleidigt verweigern. Schon im Vorfeld von Verhandlungen zu sagen „egal wie – mit uns nicht“, ist für eine Partei mit den immerhin zweitmeisten Stimmen, ignorant. Ignorant dem Wähler gegenüber. Ignorant unserer Parteiendemokratie gegenüber.
Bei einem jungen Menschen würde man von „unreif“ sprechen, bei der uralten Tante SPD kann man nur von Ausfall der Hirnfunktion sprechen.
Wie gesagt, „menschlich verständlich“ ist diese Regierungsverdrossenheit allemal – aber „politisch“ ist das nicht. Es ist nur egozentrisch.
Man stelle sich nur einen kurzen Moment vor, die Partei „DieLinke“ würde sich der SPD gegenüber so verhalten. Man würde laut schreien  „unzuverlässig“ – „nicht Politik fähig“ wie man das ja bei den französischen Linken gemacht hat,  als die Macon nicht bejubeln wollten.
Politverdrossenheit bei politischen Parteien … da denke ich, da hat man den Sinn von Politik nicht verstanden, oder vergessen – oder er interessiert nicht mehr.
Wenn das so ist, dann sollte man über die Auflösung der Partei nachdenken.
Oder einen Verein draus machen. Oder vielleicht einen „lustigen PolitTreff – oder einen Youtube-Kanal …
Dran denken, darüber nachdenken, es anstreben – es mit List und Tücke (hohe Forderungen an den Koalitionspartner) versuchen  – alles geht –
aber sagen „wir stehen für nix zur Verfügung“  –  das ist einfach bescheuert.

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